Das Wort „Skoliose“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „krumm“. Gemeint sind eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule und eine Rotation der einzelnen Wirbelkörper mit Ausbildung des kosmetisch störenden und psychisch belastenden Rippenbuckels und Lendenwulstes. Viele Ursachen für diese Erkrankung sind noch unerforscht. 20% der Wirbelfehlstellungen entstehen aufgrund neurologischer Grunderkrankungen. Skoliosen treten bei ca. 0,1-2% der Bevölkerung auf. Behandlungsbedürftig sind weniger als 0,25%, und bei nur einer von 100 betroffenen Personen ist eine Operation notwendig.

 

Und genau ich bin eine von den 100 betroffenen Personen, bei der eine Operation notwendig war.

 

Aber nun zurück zum Anfang .....

 

Meine Skoliose wurde nicht vom Hausarzt und auch nicht vom Schularzt diagnostiziert. Ich litt als Kleinkind an Zöliakie. Es folgten regelmäßige Untersuchungen und Verlaufskontrollen in der Kinderklinik Graz. An einer dieser besagten Kontrollen wurde meine behandelten Ärztin auf meine Wirbelsäule aufmerksam. Ich war damals ca. 11 Jahre alt. Sie gab meinen Eltern den ärztlichen Rat einen Orthopäden aufzusuchen, der meine Wirbelsäule untersuchen solle. Es bestand V.a. Skoliose.....



Folgende Anzeichen sind Hinweise auf einen Haltungsfehler:

  • Niveauunterschied der Schultern („schiefe“ Schultern),
  • Vorstehen eines Schulterblattes
  • Beckenschiefstand (gekipptes Becken)
  • unterschiedlich aussehende Taillen
  • asymmetrischer Brustkorb
  • Rippenbuckel
  • generell schiefe Körperhaltung

 

Die Ursache warum man Skoliose bekommt ist unbekannt. Am häufigsten tritt Skoliose im Jugendalter auf. Mädchen sind dabei häufiger betroffen als Jungen.

Skoliosen bereiten meist keine Beschwerden, weshalb die Diagnose einer Skoliose oft spät oder im Rahmen einer kinderfachärztlichen oder einer schulärztlichen Untersuchung gestellt wird. Ist der Jugendliche angezogen, fallen erst erhebliche Kurven bei der klinischen Untersuchung auf. Die meisten Skoliosen entwickeln sich wie oben erwähnt während des Pubertätsalters, also in einer Zeit, in der man sein Kind seltener unbekleidet sieht. Besser zu erkennen sind Wirbelsäulenverkrümmungen im Bikini oder in Unterwäsche.

Die Krümmung bei der Skoliose kann während des Wachstums eine deutliche Zunahme zeigen. Daher ist eine frühe Erkennung wichtig, um entsprechend dem Ausmass der Skoliose eine Therapie einleiten zu können. Bei einem Verdacht auf eine Skoliose sollte unbedingt eine weitere Abklärung durch einen Orthopäden oder Kinderorthopäden erfolgen.

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Es folgte die Vorstellung im LKH Graz Kinderklinik/Orthopädische Abteilung bei Dr. Hausbrandt. Ich wurde untersucht und ein Röntgen wurde gemacht. Die Ärztin in der Kinderklinik hatte recht - Diagnose: Idiopathische thorakale Skoliose, rechts konvex Th5-L1 39°, L1-L5 links konvex 25°

 

Leicht ausgeprägte Skoliose (unter 20 Grad): In der Regel sind Physiotherapien in Kombination mit den konsequent durchgeführten Kräftigungs-und Mobilisationsübungen des Patienten ausreichend. Bekannte physiotherapeutische Methode zur Skoliosebehandlung ist die Schroth-Therapie. Das Hauptziel der physiotherapeutischen Behandlung ist die funktionelle Stabilisierung der Krümmung und Verhinderung der weiteren Zunahme während des Wachstums. Bei Kindern ist oft auch eine Gradverbesserung möglich.

 

Wie ging es weiter....

Eine Physiotherapie wurde in der Orthopädischen Ambulanz in Graz eingeleitet.

2x wöchentlich musste ich mit meiner Mama von Ilz nach Graz fahren um die auf mich zugeschnittenen Übungen zu erlernen. Was war das für ein Spaß ......

Natürlich musste ich auch die erlernten  Übungen konsequent zu Hause weiter führen. Das hieß, jeden Tag am Nachmittag, nach der Schule TURNEN. Meine Mama musste wirklich viel Motivationsarbeit leisten - Hut ab :-) 

 

Da leider die Therapien/Übungen nicht den erhofften Erfolg brachten, war der nächste Schritt zusätzlich zu den physiotherapeutischen Behandlungen ein Korsett. Na Bravo was ist das nun wieder .....

Der Krümmungswinkel war bei mir nun schon mittel ausgeprägt d.h. Skoliose zwischen 20 bis 50 Grad nach Cobb

 

Korsett

Bei Skoliosen ab ca. 20° (nach Cobb) wird zur phyisotherapeutischen Behandlung das Korsett hinzugezogen. In vielen Fällen bringt eine Korsettbehandlung eine Stabilisierung, manchmal gar eine Verbesserung der Krümmung. Mit dem Korsett werden Krümmungen, Rippenbuckel und Lendenwulst durch Druckzonen korrigiert. Gegenüber Druckzonen befinden sich im Korsett Freiräume, damit der Rumpf auf die andere Seite ausweichen kann.
Ein Korsett ist aber nur dann wirksam, wenn es korrekt angefertigt ist und täglich 23 Stunden getragen wird. Nach Abschluss des Knochenwachstums werden die Tragzeiten Schritt um Schritt reduziert.

 

Für die Korsettanfertigung wurde als erstes ein Gipsabdruck von meinem Oberkörper gemacht. Dann wurde anhand des Abdruckes mein Korsett angefertigt, angepasst und nach und nach bis zur optimalen Passform korrigiert.

 

Es folgte ein 10-tägiger stationärer Aufenthalt im LKH Graz Kinderklinik/Orthopädische Abteilung zur Eingewöhnung des Korsetts (1989). Von Tag zu Tag wurde die Tragezeit erhöht bis ich nach 10 Tagen das Korsett 23 Stunden in einem durch tragen konnte. Die Zahl 23 soll aufzeigen, dass das Korsett eigentlich wie eine zweite Haut ist und nur zum Duschen und für den Sport ausgezogen werden soll. Je häufiger man es trägt, desto selbstverständlicher gehört es einfach dazu und wird nicht mehr als „Feind“ sondern als „geduldeter Freund“ betrachtet.

 

Da sich die Skoliose meist in der Pubertät entwickelt, also in der Zeit, wo man die Unabhängigkeit entdeckt, anfängt auf Partys zu gehen, verletzlich ist, der Körper sich verändert, man anfängt sich für Mode zu interessieren, war es für mich wahrlich nicht einfach.

Dazu kam, dass die Orthese immer wieder neu eingestellt und angepasst werden musste und das war mitunter sehr schmerzhaft. Beim Tragen des Korsetts wurde ich oft gehänselt, fühlte mich durch Blicke unwohl und versuchte die Orthese unter weiter Kleidung zu verstecken. Gerade im Sommer war es schwierig das Korsett unter dem T-Shirt oder Kleid zu verstecken.

 

Leider brachte auch das Korsett nicht den wahren Erfolg. Mit 17 Jahren wurde das Korsett langsam wieder entwöhnt. Physiotherapien wurden aber so gut als möglich weitergeführt.


Nach der Schwangerschaft wurde die Krümmung meiner Wirbelsäule wieder schlechter. Es zeigte sich im Röntgen eine thoracale Krümmung von Th8 auf L2 von 58 Grad und eine hochthoracale Krümmung von Th1 auf Th6 von 40 Grad und rechts entwickelte sich ein deutlicher Rippenbuckel von ca. 3,5 cm. Ich hatte keine Schmerzen aber ich fühlte mich in meinem Körper einfach nicht mehr wohl.


Schwer ausgeprägte Skoliose:  über 50 Grad nach Cobb. Bei ausbleibendem Therapieerfolg durch Korsett und/oder Physiotherapie bzw. einer stark ausgeprägten Skoliose ist eine Operation meist unumgänglich.


Ich lernte damals durch meine Schwester ein junges Mädchen kennen, dass in Innsbruck an Skoliose operiert wurde. Sie erzählte mir ihre Geschichte mit Skoliose und empfahl mir die Orthopädie im LKH Innsbruck. Ich dachte mir Fragen kostet nichts, vielleicht können die mir weiterhelfen. So machte ich einen Ausflug nach Tirol und wurde in der Klinik Innsbruck/Orthopädie bei Univ. Doz. Dr. Christian Bach vorstellig. Er erklärte mir bis ins kleinste Detail die unterschiedlichsten Möglichkeiten einer Skoliosebehandlung. Auch die Risiken die mit einer Operation verbunden sind. 

Für mich gab es, um eine Besserung zu bewirken nur mehr die Operation. Damals war ich 27 Jahre, meine Tochter 6 Jahre. Ich bekam Bedenkzeit - OP ja/nein.....

Mir schwirrten so viele Dinge im Kopf herum, geht die OP gut aus, meine Tochter fängt zum Schule gehen an, wer hilft mir nach der Operation zu Haus, der Haushalt, die Arbeit usw.......

 

Es war kein einfacher Schritt für mich aber ich willigte der Operation ein und ließ mich am 10. November 2003 im Klinikum Innsbruck von Univ. Doz. Dr. Christian Bach operieren - Versteifung Th2 - L3 + Rippenbuckelresektion rechts.

 

Die Operation ist gut verlaufen. 14 Tage stationärer Aufenthalt im Klinikum Innsbruck. Ich kam mir vor wie ein steifes Brett oder besser gesagt wie ein Käfer der am Rücken liegt und nicht aufkommt. Ich brauchte anfänglich Hilfe beim aufsitzen, aufstehen, hinlegen, Begleitung beim Gehen, Stiegen steigen, waschen ... einfach überall.....

Zu Hause war das Ganze dann noch etwas beschwerlicher als im Krankenhaus. Ich brauchte die ersten Monate Unterstützung im Haushalt, beim Anziehen, Körperpflege, ich konnte nicht einmal in mein Auto einsteigen aufgrund der Versteifung, auch musste ich das Schwimmen wieder erlernen. Aber ich hatte nur einen Gedanken "Nicht unterkriegen lassen, sondern kämpfen".


10 Jahre nach der OP ging es mir wirklich gut. Naja ab und zu ein Zwicken dort ein Zwicken da.... klar hat man auch schlechte Tage wo man sich Besseres wünscht aber ich kam im Allgemeinen gut zurecht. 

2013 bekam ich zunehmend, wirklich von einem Tag auf den anderen LWS Beschwerden. Kam aufgrund der Schmerzen in der Früh immer schwerer aus dem Bett. Ich tue mir generell, aufgrund der Versteifung etwas schwerer Hosen, Socken und Schuhe anzuziehen aber  durch die LWS Beschwerden war ich wirklich auf Hilfe angewiesen. So suchte ich als erstes meinen Hausarzt und in weiterer Folge einen Orthopäden auf. Der Facharzt war mit meiner Situation leicht überfordert. Anscheinend bin ich mit meiner Skoliose ein Einzelfall in der Steiermark :-D So ist es mir damals jedenfalls vorgekommen. Er leitete eine Therapie (Massage, Traktion LWS und Elektrotherapie) und Infiltrationen ein. Es kam leider nur zu einer leichten Verbesserung der Beschwerden. Was nun weiter .....?????


Da mir keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten vorgeschlagen wurden, nahm ich Kontakt mit dem LKH Stolzalpe/Wirbelsäulenambulanz auf. 

Diagnose: Degenerative Veränderungen L4-S1

Therapieempfehlung: Stationäre multimodale Schmerztherapie im LKH Stolzalpe. Therapie vor OP! Dieser Aufenthalt (10 Tage) hat mir sehr geholfen. Ca. 2 Jahre war ich so gut wie schmerzfrei. 

Doch 2015 fingen die Beschwerden wieder an. Es folgten wieder Therapien, Infiltrationen, die Ärzte wurden immer ratloser. Mein Orthopäde war am Ende seines Lateins.

Aufgrund meines Aussehens (und tätowiertem Rücken) glaubten mir oft die Ärzte nicht das ich wirklich Schmerzen hatte. Wenn man sich für sein Aussehen fast entschuldigen muss.... Ich wollte nur ernst genommen, verstanden und geholfen werden.

Ich wechselte den Facharzt und siehe da, es gibt doch noch Ärzte die einen Ernst nehmen, zuhören und ernsthaft überlegen welche Behandlungsmöglichkeiten es noch für mich gebe. 

Aufgrundessen das die ganzen Therapien keinen Erfolg brachten wurde eine weitere Operation eingeleitet. 

Folgeoperation aufgrund degenerativen Veränderungen L5/S1 im LKH Stolzalpe 2017 von OA Dr. Sven Ziegler.

Mittlerweile ist mein versteifter Rücken ganz selbstverständlich ein Teil von mir und ich habe gelernt damit zu leben. Klar hab ich auch öfter Schmerzen aber die lassen sich gut behandeln. Jammern gehört nicht zu meinen Stärken. Durch das Jammern werden die Schmerzen nicht weniger. Ich sage mir: Das tut meiner Seele und meinem Aussehen nicht gut. Regelmäßige Bewegung ist für mich sehr wichtig, meinen Körper so gut es möglich ist fit zu halten und natürlich gesunde Ernährung. 

Meine Skoliose hat mich gelehrt, mich selbst und mein eigenes Leben wertzuschätzen.

Mit meiner SHG versuche ich, andere durch meine Erfahrungen zu ermutigen, und ich würde jedem zu dieser Operation raten, auch wenn die Entscheidung gut durchdacht sein sollte, denn sie gilt für das ganze Leben. 




Meine persönliche Fotogalerie Vorher - Nachher.