Über Skoliose

„ s k o l i ó s “ bedeutet krumm

Das Wort „Skoliose“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „krumm“. Gemeint sind eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule und eine Rotation der einzelnen Wirbelkörper mit Ausbildung des kosmetisch störenden und psychisch belastenden Rippenbuckels und Lendenwulstes. Viele Ursachen für diese Erkrankung sind noch unerforscht. 20% der Wirbelfehlstellungen entstehen aufgrund neurologischer Grunderkrankungen. Skoliosen treten bei ca. 0,1-2% der Bevölkerung auf. Behandlungsbedürftig sind weniger als 0,25%, und bei nur einer von 100 betroffenen Personen ist eine Operation notwendig.

Das System „Wirbelsäule“ hat einen dynamischen Aufbau, um auf Bewegung und Erschütterung flexibel zu reagieren (Stoßdämpfer). Bereits geringe Abweichungen der normalen Statik können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen und Beschwerden auslösen.

Formen der Skoliose:

  • Thorakale Skoliose: im Brustwirbelsäulenbereich
  • Lumbale Skoliose: im Lendenwirbelsäulenbereich
  • Thorakolumbale Skoliose: Übergangsbereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Thorakale und lumbale ( doppelbogige) Skoliose: Bereich von Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Lordose (Vorwärtskrümmungen an Hals- und Lendenwirbelsäule)
  • Kyphose (Rückwärtskrümmung der Brustwirbel und des Kreuzbeines)
Die Wirbelsäule bildet neben der eigentlichen Krümmung, der sogenannten Primärkrümmung oft auch eine ausgleichende Sekundärkrümmung zur Gegenseite aus, die sich ober- bzw. unterhalb einer solchen anschließen. Dies geschieht um einen insgesamt lot- und statikgerechten Stand zu ermöglichen, d.h. der Körper versucht spontan durch Ausbildung von Ausgleichskrümmungen den Kopf über dem Becken zu zentrieren.
Je nachdem, in welche Richtung die Wirbelsäule verkrümmt ist, unterscheidet man zwischen einer nach links gebogenen (linkskonvexen) Skoliose und einer nach rechts gebogenen (rechtskonvexen) Skoliose.

Man unterscheidet zwischen primäre und sekundäre Skoliosen.

Primäre Skoliosen werden idiopathische Skoliose genannt und können im Kleinkind,- Kindes,- oder Teenageralter auftreten. Hier unterscheidet man zwischen infantile, juvenile und adoleszente Skoliosen. Genetische Faktoren spielen mitunter eine Rolle. Sekundäre Skoliosen sind Erkrankungen der Muskulatur oder des Nervensystems.


Folgende Anzeichen sind Hinweise auf einen Haltungsfehler:

  • Niveauunterschied der Schultern („schiefe“ Schultern),
  • Vorstehen eines Schulterblattes
  • Beckenschiefstand (gekipptes Becken)
  • unterschiedlich aussehende Taillen
  • asymmetrischer Brustkorb
  • Rippenbuckel
  • generell schiefe Körperhaltung

Am häufigsten tritt Skoliose im Jugendalter auf. Mädchen sind dabei häufiger betroffen als Jungen.

Skoliosen bereiten meist keine Beschwerden, weshalb die Diagnose einer Skoliose oft spät oder im Rahmen einer Kinderfachärztlichen oder einer schulärztlichen Untersuchung gestellt wird. Ist der Jugendliche angezogen, fallen erst erhebliche Kurven bei der klinischen Untersuchung auf. Die meisten Skoliosen entwickeln sich wie oben erwähnt während des Pubertätsalters, also in einer Zeit, in der man sein Kind seltener unbekleidet sieht. Besser zu erkennen sind Wirbelsäulenverkrümmungen im Bikini oder in Unterwäsche.

Die Krümmung bei der Skoliose kann während des Wachstums eine deutliche Zunahme zeigen. Daher ist eine frühe Erkennung wichtig, um entsprechend dem Ausmass der Skoliose eine Therapie einleiten zu können. Bei einem Verdacht auf eine Skoliose sollte unbedingt eine weitere Abklärung durch einen Orthopäden oder Kinderorthopäden erfolgen.


Der Krümmungswinkel der Skoliose wird in 3 Verdrehungsbereiche (Cobb-Winkel) definiert:

  • leicht ausgeprägte Skoliose: bis unter 20 Grad nach Cobb,
In der Regel sind Physiotherapien in Kombination mit den konsequent durchgeführten Kräftigungs- und Mobilisationsübungen des Patienten ausreichend. Bekannte physiotherapeutische Methode zur Skoliosebehandlung ist die Schroth-Therapie. Das Hauptziel der physiotherapeutischen Behandlung ist die funktionelle Stabilisierung der Krümmung und Verhinderung der weiteren Zunahme während des Wachstums. Bei Kindern ist oft auch eine Gradverbesserung möglich.
  • mittel ausgeprägte Skoliose: zwischen 20 bis 50 Grad nach Cobb,
Bei Skoliosen ab ca. 20° (nach Cobb) wird zur phyisotherapeutischen Behandlung das Korsett hinzugezogen. In vielen Fällen bringt eine Korsettbehandlung eine Stabilisierung, manchmal gar eine Verbesserung der Krümmung. Mit dem Korsett werden Krümmungen, Rippenbuckel und Lendenwulst durch Druckzonen korrigiert. Gegenüber Druckzonen befinden sich im Korsett Freiräume, damit der Rumpf auf die andere Seite ausweichen kann.
Ein Korsett ist aber nur dann wirksam, wenn es korrekt angefertigt ist und täglich 23 Stunden getragen wird. Nach Abschluss des Knochenwachstums werden die Tragzeiten Schritt um Schritt reduziert.
  • schwer ausgeprägte Skoliose: über 50 Grad nach Cobb.
Bei ausbleibendem Therapieerfolg durch Korsett und/oder Physiotherapie bzw. einer stark ausgeprägten Skoliose ist eine Operation meist unumgänglich.


Symptome

Eine Skoliose bereitet abhängig von der Lokalisation und Ausprägung unterschiedliche Beschwerden wie z.B. Rückenschmerzen und Verspannungen. Durch die Fehlhaltung können sich langfristig schmerzhafte, degenerative Veränderungen der Wirbelsäule entwickeln. Die häufig aufgetretenen Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule beeinträchtigen auch die allgemeine Leistungsfähigkeit.

Außerdem können Störungen der inneren Thoraxorgane, vor allem des Herzens und der Lunge auftreten. Durch die Minderbelüftung der Lunge kommt es zu einer Reduktion der Atemkapazität sowie einer Rechtsherzüberlastung. Die Folgen davon sind eine deutlich eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und eine Einschränkung der Lebensqualität.

 

Diagnose

Zur Diagnosestellung beginnt der Arzt mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese). Anhand des Vorbeugetests (Adams-Test) erkennt und beurteilt der Arzt die Wirbelsäulenkrümmung. 

Zur Absicherung der Diagnose wird in der Regel eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule vorgenommen. Dabei werden Oberkörper sowie Becken stehend von vorne sowie seitlich aufgenommen. Anhand dieser Aufnahmen wird der Verkrümmungswinkel (Winkelmessung nach Cobb) festgestellt. In seltenen Fällen, und zum Ausschluss anderer Krankheiten, kann eine MR-Untersuchung erforderlich sein.